Jetzt sprießen sie endlich wieder: Vogelmiere und Gänseblümchen, Schafgarbe und Brennnessel. Diese Wildkräuter sind nicht nur in der Küche eine tolle Ergänzung, sie eignen sich auch für kosmetische Anwendungen.

Kürzlich durfte ich im Umweltzentrum Oldenburger Münsterland einen Workshop zum Thema „Kräuter für die Schönheit“ leiten. Mit zwölf netten und aufgeschlossenen Frauen (die übrigens gar keine Schönheitsmittel nötig hatten) setzten wie einen Ölauszug mit Efeublättern und diversen ätherischen Ölen an. Vorher gab es natürlich viel Input, was Inhaltsstoffe und Wirkweise von Kräutern in der Kosmetik betrifft. Hier ein kleiner Einblick:
Flavonoide, die in Ringelblumenblüten oder in der Schafgarbe vorkommen, wirken entzündungshemmend, bieten einen gewissen UV-Schutz, verbessern die Hautstruktur und fangen freie Radikale ab. Sie sind sozusagen ein botanisches „Anti-Aging“.
Gerbstoffe finden wir besonders reichlich in Frauenmantel, aber auch in Gänseblümchen und wieder in der Schafgarbe. Die Schafgarbe wird deswegen auch „Haut-Coach“ genannt. Sie hat besonders viele gute Pflegeeigenschaften. Gerbstoffe haben ihren Namen von ihrem Einsatzbereich bei der Lederherstellung. Für unsere Haut darf es gern etwas weniger derb sein. Bei richtiger Anwendung verfeinern Gerbstoffe das Porenbild, da sie aufgequollene und entzündliche Haut etwas zusammenziehen und festigen.
Kieselsäure, die sich im Schachtelhalm, in der Brennnessel und in der Vogelmiere findet, stärkt das Bindegewebe und fördert die Elastizität.
Schleimstoffe sind gar nicht schleimig sondern eher samtig weich auf der Haut. Sie wirken reizmildernd und kühlend. Enthalten sind sie zum Beispiel in Malvenblüten, Spitzwegerich, Wildem Stiefmütterchen und Vogelmiere.
Wie bekomme ich diese Wundermittel denn nun auf die Haut? Die Antwort lautet: Am besten frisch! Nach vielen Wochen im Haus und im Lampenlicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für eine Frischekur mit einer Kräutergesichtsmaske! Dazu habe ich euch ein Rezept zusammengestellt:
🌿 Gesichtsmaske „Wiesen-Glück“
Diese Maske kombiniert die Heilkraft der Natur mit sanfter Pflege. Sie reinigt, beruhigt und verleiht der Haut einen frischen „Glow“.
1. Die Zutaten (Grundmenge)
- Basis: 2 EL Quark (Magerquark bei unreiner Haut, Sahnequark bei trockener Haut) ODER 2 EL Heilerde (für Tiefenreinigung).
- Wirk-Verstärker: 1 TL Honig (wirkt antibakteriell) oder 1 TL Pflanzenöl (z. B. Mandel- oder Olivenöl für Pflege).
- Wildkräuter: Eine Handvoll frische Kräuter (z. B. Gänseblümchen, Spitzwegerich, Frauenmantel).
2. So wird’s gemacht
- Die Kräuter waschen, gut trockentupfen und so fein wie möglich wiegen oder hacken (je feiner, desto mehr Wirkstoffe treten aus).
- Die Kräuter im Mörser oder einer Schale mit dem Quark/der Heilerde und dem Zusatz (Öl/Honig) zu einer geschmeidigen Paste verrühren.
- Ziehzeit: Die Mischung ca. 5 Minuten ruhen lassen, damit die Wirkstoffe in die Basis übergehen können.
3. Die Anwendung
- Die Maske fingerdick auf das gereinigte Gesicht auftragen (Augen- und Mundpartie aussparen).
- 10 bis 15 Minuten entspannen. Die Maske sollte nicht komplett zu einer „Kruste“ trocknen.
- Mit reichlich lauwarmem Wasser sanft abspülen. Dabei leicht kreisende Bewegungen machen (Peeling-Effekt!).
- Finish: Die Haut nur sanft trockentupfen und bei Bedarf eine leichte Pflege auftragen.

Natürlich lassen sich die Wirkstoffe der Kräuter auch konservieren, in Öl, Alkohol oder Glycerin. Und daraus könnt ihr dann weitere Produkte herstellen, etwa eine Gesichtscreme oder eine Haarpackung.
In unserem Workshop ging es auch noch darum, was eigentlich in „Kauf-Kosmetik“ drin ist oder drin sein sollte. Jede Teilnehmerin hatte ein Produkt von zu Hause mitgebracht und wir nahmen die sogenannten INCI (Inhaltsstoffe) mal richtig unter die Lupe. Die Lupe war tatsächlich in den meisten Fällen nötig, da die Inhaltsstoffe oft SEHR klein gedruckt sind. Erleichterung bei den Teilnehmerinnen: Verdächtige, also möglicherweise gesundheitsschädigende Inhaltsstoffe haben wir nicht gefunden. Aber nennenswerte Mengen an Kräuterauszügen auch nicht. Ein Grund mehr, öfter in der Natur oder im eigenen Garten auf die Suche zu gehen, um sich pflanzliche Wellness zu gönnen.

Das Basiswissen aus meinem Workshop und noch etwas mehr habe ich zusammengetragen und daraus eine 20-seitige Broschüre gestaltet. Inhalt:
- Gesichtsmasken mit frischen Kräutern
- Hautverträglichkeitstest
- Herstellung von Kräuterauszügen für die Hautpflege
- Tipps für die Haltbarkeit von Kräuterauszügen
- Grundrezept Gesichtscreme ohne Konservierungsmittel
- Hautstraffendes Efeu-Massageöl
- Haarpackungen und -spülungen
- Kräuter als Badezusatz
- INCI-Check (mit Positiv-Glossar)
- Schönheit von innen (Smoothie-Rezept)
Die Broschüre könnt ihr für 3 Euro auf meinen Veranstaltungen erwerben. Oder ich sende sie euch per Post, kann kommen noch 2 Euro für Porto und Versand hinzu. Viel Spaß beim Ausprobieren!


