Beet oder Kübel?

Viele Kräuter hatte ich bisher in Kübeln und Tontöpfen auf der Terrasse. Um mit der Trockenheit klar zu kommen, müssen sie aber tiefe Wurzeln ausbilden. Also: Ab ins Beet damit!

Rosmarin, Salbei, Lavendel, das sind Kräuter aus dem Mittelmeerraum. Dort kennen sie wochenlange Trockenheit und Hitze. Trotzdem musste ich sie ständig gießen. In ihren schönen Tontöpfen auf meiner Terrasse kümmerten sie vor sich hin. Nun habe ich es endlich verstanden:

Pflanzenquälerei

In ihrer mediterranen Heimat bilden diese Halbsträucher ausgeprägte Pfahl- und Tiefwurzeln aus, um in trockenen Sommermonaten an tief gelegenes Grundwasser und an Feuchtigkeit in Felsspalten zu gelangen.

Rosmarin gehört zu den stärksten Tiefwurzlern. Seine verholzende Pfahlwurzel dringt 1 – 2 Meter tief in steinigen Boden ein. Weit verzweigte Seitenwurzeln verankern die Pflanze und nehmen zusätzlich Tauwasser auf. Schon seit einigen Jahren überwintert die intensiv duftende Heil- und Gewürzpflanze übrigens mühelos in den meisten Regionen in Deutschland und belohnt durch reichen Blütenschmuck im Frühjahr.

Salbei bildet eine kräftige, 1 – 1,5 m tief reichende Pfahlwurzel mit starker Verzweigung im Unterboden. Dadurch ist er extrem hitzeresistent und übersteht wochenlange Dürre.

Lavendel dringt mit seinem Wurzelsystem senkrecht bis zu 1 m tief in den Boden, seine feinen Saugwurzeln breiten sich auch flächig aus, um spärlichen Regen sofort aufzunehmen.

Gleiches gilt für Ysop, eine herrliche Bienenweide in dunkelblau, rosa oder weiß, und für die Eberraute (Colakraut), die ein stark verholztes Wurzelsystem ausbildet.

Solche Pflanzen bei großer Hitze in Kübeln zu halten, ist reine Pflanzenquälerei!

Daher habe ich in diesem Jahr an der sonnigsten Stelle unseres Gartens ein Mittelmeerbeet angelegt. Ich habe eine kleine Trockenmauer gezogen, mageren Boden dahinter aufgefüllt und meine kümmerlichen Exemplare von Lavendel, Rosmarin, Salbei und Ysop dort eingepflanzt.

Unterhalb der Mauer habe ich Pflanzen gesetzt, die etwas mehr Feuchtigkeit benötigen: Oregano, Skabiosen, Nachtkerzen, Bartnelken.

Dann kam die Hitze – wochenlang. In der Anwachsphase musste ich natürlich trotzdem gießen. Aber dann habe ich nur noch alle paar Tage sehr gründlich gewässert, damit die Pflanzen lernen, dass sie in die Tiefe wurzeln müssen, um Wasser zu bekommen.

Tonscherben als Schutz

Hat es geklappt? Ja, recht gut, obwohl Trockenheit und Hitze wirklich extrem waren. Der Ysop hat üppig geblüht, auch Salbei und Rosmarin haben unseren Urlaub überstanden. Weil danach immer noch kein Regen in Sicht war, habe ich den Boden etwas bedeckt, mit den heruntergeschnittenen Kräutern und mit Tonscherben. Kaputte Tontöpfe, die sich nach etlichen Frösten bei uns angehäuft hatten, sind nämlich ein ausgezeichneter Schutz. Sie beschatten den Boden, speichern Wasser und sorgen so für Kühlung. Einige größere Scherben habe ich als kleine Schattendächer für Primeln und Veilchen aufgestellt. Das hat sehr geholfen.

Kaputte Tontöpfe helfen, empfindliche Pflanzen vor extremer Sonneneinstrahlung zu schützen.

Was bleibt im Kübel?

Thymian und Bohnenkraut kommen ganz gut in größeren Pflanzgefäßen klar. Sie haben ein eher flaches, aber extrem dichtes Faserwurzelwerk. Außerdem gehören alle Gewächse, die nicht frosthart sind, in Töpfe oder Kübel, damit sie im Winter in ein frostfreies Quartier umziehen können;

Agaven

Diese eindrucksvollen, graublauen Dickfleischgewächse überwintern bei mir im Keller bei wenig Licht und ohne Wasser. Trotzdem werden sie jedes Jahr größer und bekommen etliche Ableger.

Rosetten-Dickblatt (Aeonium)

Die erste kleine Pflanze haben wir mal aus Cornwall mitgebracht. Sie lassen sich leicht vermehren und kommen im Winter ins Haus auf eine helle Fensterbank.

Stelzen-Bulbine

Die „Erste-Hilfe-Pflanze“ wird in den Sommermonaten sehr ausladend, daher nehme ich für den Winter nur Ableger, die dann ins Haus kommen. Wusstet ihr, dass der frische Saft, den man aus den Blättern presst, sogar gegen die Hautrötungen hilft, die der Eichenprozessionsspinner verursacht?

Duftblatt-Geranien

Meine besonderen Lieblinge müssen im Spätsommer rechtzeitig heruntergeschnitten werden, damit sie nicht zu sehr verholzen und die schwierige Zeit in der geheizten Wohnung überstehen. Die Blätter sind lecker zum Aromatisieren von Limonaden oder Süßspeisen.

Zitronen-Verbene

Unverzichtbare Teepflanze! Die getrockneten Blätter bewahren das intensive Zitronenaroma für den Winter. Im ungeheizten Gewächshaus schafft sie es durch den Winter, wenn der Topf mit einer dicken Laubpackung geschützt wird. Im Frühjahr darf ich den Austrieb nicht verpassen. Dann muss die Pflanze beschnitten, gegossen und gedüngt werden und darf ins Freie, sowie kein Frost mehr droht.

Aber wer weiß, vermutlich können auch diese Pflanzen demnächst den Winter bei uns im Beet überstehen. So wie die Hanfpalmen, die schon mancherorts an den Bars stehen, die Feigenbäume und viele andere Gewächse aus südlichen Gefilden.