Duftende Douglasie

Winterliches Grün in unseren Wäldern stammt oft von Douglasien, also von Bäumen, die hier eigentlich nicht heimisch sind. Dennoch dominieren sie viele Waldbestände. Grund genug, sich einmal näher mit ihnen zu befassen.

In Nordwestdeutschland kommen nur drei heimische Nadelbaumarten vor: Waldkiefer, Eibe und Wacholder. In vielen Wäldern begegnen wir allerdings weiteren Nadelbaumarten, vor allem Douglasien, Fichten und Japanlärchen. Fichten werden schon seit dem 18. Jahrhundert als Forstbäume angepflanzt. Sie sind zwar in Mitteleuropa heimisch, wachsen aber von Natur aus nur in höheren Lagen ab 600 m. Seit 1950 gehören auch Douglasien und Japanlärchen zu den Forstbäumen im nordwestdeutschen Flachland. Nach den Weltkriegen war viel Holz für den Wiederaufbau und auch für Reparaturzahlungen eingeschlagen worden. Daraufhin erfolgte ein Waldumbau mit schnellwachsenden Nadelhölzern. Japanlärche und Douglasie sind hervorragende Bauhölzer, die auch ohne chemische Holzschutzmittel eine hohe Dauerhaftigkeit aufweisen. Sie können für Fassadenverkleidungen, Terrassendielen, Zäune oder Fensterrahmen eingesetzt werden.

Vor der Eiszeit schon dagewesen

Bereits vor 750.000 Jahren gab es Douglasien (Pseudotsuga) in Mitteleuropa. Allerdings gehörten sie einer anderen, inzwischen ausgestorbenen Art an. Die Forstbäume, die wir heute in unseren Wäldern finden, gehören zu der nordamerikanischen Art der Douglasie (Pseudotsuga menziesii). Es handelt sich um kerzengerade Bäume, die oft wie riesige Säulen im Wald stehen. Der höchste Baum Deutschlands ist eine Douglasie, sie heißt „Waldtraut vom Mühlwald“, ist 67 m hoch und steht im Südschwarzwald. Junge Douglasien haben eine glatte, hellgraue Rinde mit Harzblasen, während alte Bäume eine sehr dicke, dunkelbraune, tief zerfurchte Borke besitzen. Sie wirkt korkartig und schützt den Baum wegen ihres hohen Harzgehaltes gegen Feuer.

Die Nadeln sind weich und duften beim Zerreiben oder Zerzupfen nach Zitrusfrüchten. Wenn sie abfallen, hinterlassen sie einen glatten Zweig. Bei der Fichte dagegen sind kahle Zweige warzig und rau.

Unverwechselbar ist die Douglasie durch ihre Zapfen. Sie sind mit ovalen, holzigen Samenschuppen und dreilappigen Deckschuppen bedeckt. Warum die Zapfen so aussehen, erfahrt ihr im diesem Märchen der nordamerikanischen Urbevölkerung.

Da Douglasienzapfen eine federähnliche Struktur haben, lassen sich daraus schöne Eulen basteln. Die Augen sind aus Eichelbechern, Füße und Schnabel stammen von einer Buchecker.

Zukunftsbaum, aber für wen?

Während Fichte und Japanlärche in den letzten beiden Dürresommern sehr viel Nadeln lassen mussten, – ganze Bestände sind komplett abgestorben und mussten abgeräumt werden – hält sich die Douglasie recht gut. Zudem ist ihr Holz nicht nur witterungsbeständiger, sondern auch fester und elastischer, als das der Kiefer. Die Stämme wachsen schnell und besonders gerade in die Höhe. Damit gehört die Douglasie zu den Hoffnungsträgern der Forstwirtschaft und gilt als einer der besten Zukunftsbäume für die Wirtschaftlichkeit der Wälder.

Lange war ich skeptisch, denn einem nicht heimischem Baum fehlt in der Regel die Einbindung in das Ökosystem, also das Zusammenspiel mit anderen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Der ökologische Wert muss hier gegen den forstlichen Wert abgewogen werden. Unsere heimische Waldkiefer gilt als Biodiversitäts-Hotspot. Über 1000 Tierarten, davon 170 Großschmetterlingsarten und 70 Bock- und Borkenkäferarten nutzen sie als Nahrungsquelle oder Brutstätte. Die Douglasie kommt nur auf 10-20 % dieser Artenvielfalt. Viele heimische Insekten können die Douglasie aufgrund ihrer spezifischen Inhaltsstoffe (Terpene) und der fremden Rindenstruktur schlechter nutzen.

Langsame Einbürgerung

Von der Vogelwelt wird der riesige, kerzengerade Baum schon besser angenommen. Studien zeigen, dass in Douglasienbeständen etwa 14 bis 15 verschiedene Vogelarten brüten können, was in etwa der Vielfalt in Fichtenbeständen entspricht. Arten wie die Tannenmeise, die Kohlmeise oder der Kleiber nutzen sie vor allem als Nistplatz oder Singwarte.

Auch die Pilzflora hat sich schnell an den Neubürger gewöhnt. Bei den Mykorrhiza-Pilzen (Symbiosepartnern an den Wurzeln) ist die Douglasie bereits gut integriert und bildet ähnlich artenreiche Gemeinschaften aus wie Fichte oder Kiefer. Die Bodenvegetation in Douglasienwäldern kann sogar artenreicher sein als in dunklen Fichtenforsten, da mehr Licht den Boden erreicht. Und kürzlich fand ich auf einem Douglasienzapfen einen meiner Lieblingspilze, den Ohrlöffelstacheling!

Ohrlöffel-Stacheling auf einem Douglasienzapfen

Dass die Samen der Douglasie besonders energiereich sind, haben Mäuse und Eichhörnchen längst herausgefunden und bedienen sich kräftig daran. Zudem behält die Douglasie ihre Nadeln im Winter (im Gegensatz zur Japanlärche) und bildet oft dichtere Kronen, als die Kiefer. Dadurch bietet sie in den feuchtkalten Wintern Nordwestdeutschlands wichtigen Wärmeschutz und Deckung für Rehe und Vögel.

Unter dem Strich lässt sich sagen, dass die Douglasie nach und nach in die heimischen Waldgesellschaften integriert wird. Was die Insekten betrifft, gibt es allerdings noch ein großes Defizit, da diese Tiere meist hochspezialisiert auf bestimmte Wirtspflanzen sind. Ein solcher Evolutionsprozess dauert Jahrtausende. Gelegentlich wird befürchtet, dass die Douglasie sich in wertvollen Lebensräumen wie Magerrasen oder Eichenwäldern versamt, was ich bisher im Emsland aber noch nicht feststellen konnte. Und da Douglasienbestände heute erfreulicherweise oft im Zusammenhang mit Buchen als Mischwälder angepflanzt werden, dürfen wir das dunkle Wintergrün und die duftenden Zweige beim nächsten Waldspaziergang ruhig genießen.